Zwei Tage Oberbayern, zwei sehr verschiedene Themen. Am ersten Tag ging es 4.000 Meter tief ins Gestein, am zweiten mit vierzehn Autos über die Pässe zwischen Kochelsee und Tegernsee. Dazwischen ein Abend mit Blick auf die Alpen.
Ein Kraftwerk mitten im Wald
Schon die Anfahrt bei bestem Wetter war die halbe Miete. Das Kraftwerk in Geretsried liegt mitten in der Natur, im Wald. Vor dem Tor gab es die ersten Fachgespräche, dann holte uns Martin Rasper ab, Geologe und Journalist und an diesem Tag unser Führer. Nach den Besucherausweisen ging es zuerst ins Besucherzentrum, wo wir einen Überblick bekamen: wie das Kraftwerk arbeitet, was es von klassischer Geothermie unterscheidet, dazu einiges über Geologie, Gesteinsschichten und Bohrverfahren.

Warum dieses Verfahren anders ist
Hinter der Anlage steht die kanadische Firma Eavor Technologies. Ihr Verfahren heißt Eavor-Loop und unterscheidet sich in mehreren Punkten von klassischer Geothermie. Es braucht kein warmes Wasser in der Tiefe, sondern nur festes Gestein, Granit zum Beispiel. Das liegt an den meisten Standorten tief im Boden, das Konzept ließe sich also fast überall in Deutschland umsetzen.
Weil die Bohrungen in festem Gestein liegen und die Bohrlöcher oben verrohrt sind, löst sich weder Gestein noch Mineral aus dem Boden. Bei klassischer Geothermie führt genau das zu häufigen Wartungen der Filter und zum ständigen Austausch der Pumpen.
Pumpen braucht der Eavor-Loop überhaupt keine. Stichwort Thermosiphon-Effekt: kaltes Wasser sinkt, warmes steigt. Einmal befüllt, zirkuliert es von allein, ohne weiteren Energieaufwand.
Einen gravierenden Nachteil hat das Konzept trotzdem. Die Bohrungen sind extrem aufwendig und damit teuer. Um einen Kreislauf zu schließen, muss in über vier Kilometern Tiefe und bei rund sieben Kilometern Gesamtlänge des Bohrers ein Loch von gerade einmal 23 Zentimetern Durchmesser getroffen werden. Die Baukosten lagen zehnmal so hoch wie bei einem vergleichbaren klassischen Projekt. Auch konnten nicht alle Kreisläufe geschlossen werden, die Leistung liegt deshalb noch unter der Prognose. Weitere Bohrungen sind geplant und vorbereitet.
Über Tage
Nach der Theoriestunde gab es die Schutzausrüstung, dann ging es über das Gelände. Zuerst der Bohrturm, dazu einiges darüber, wie solche Bohrungen ablaufen, und ein Blick auf die gesetzlich vorgeschriebenen und streng kontrollierten Sicherheitseinrichtungen, die wir anschauen und anfassen durften. Unterwegs ergab sich sogar die Gelegenheit, die teilweise diamantbesetzten Bohrer zu sehen.

Danach standen wir an den fertig verrohrten Bohrlöchern, durch die das Wasser ein- und ausströmt. Mit etwa 60 Grad geht es nach unten, wärmt sich auf den mehreren Kilometern Rohr auf und kommt mit über 120 Grad wieder an die Oberfläche.
Der Standort Geretsried hat eine Vorgeschichte. Schon in den neunziger Jahren sollte hier ein Geothermiekraftwerk entstehen, es scheiterte am Untergrund. Sämtliche Genehmigungen für Geothermie lagen dadurch bereits vor, ein Großteil des Verfahrens ließ sich überspringen und der Bau schnell beginnen. Wegen dieser Vorgeschichte und weil das Verfahren noch im Versuchsstadium ist, war die Gemeinde zunächst skeptisch. Sie wollte mit dem Ausbau des Wärmenetzes warten, bis Eavor nachgewiesen hat, dass das Kraftwerk funktioniert.

Strom aus der Erdwärme
Damit die Wärme nicht ungenutzt bleibt, liefert die italienische Firma Turboden ein ORC-Kraftwerk zur Stromerzeugung. Turbine und Kühlung konnten wir ebenfalls ansehen. Die Turbine war erstaunlich leise und erzeugte dabei 1,6 Megawatt. Rund um die Uhr.
Nach der ersten Führung war die zweite Gruppe an der Reihe.
Ausklang auf dem Märznhof
Den Tag ließen wir auf dem Märznhof ausklingen, mit einem Blick auf die Alpen, der die Vorfreude auf den nächsten Tag deutlich erhöht hat.


Tag zwei: Sonne, Sonne, Sonne
Unter diesen Voraussetzungen startete der zweite Tag. Am Schnellladepark Sindelsdorf wurden die Akkus noch einmal richtig geladen, dann ging es pünktlich mit vierzehn Autos los.

Erster Fotostopp war das Kloster Benediktbeuern. Die Sehnsucht nach den Bergen ließ die Gruppe dort nicht lange verweilen, es ging weiter an den Kochelsee. Hier kamen zum ersten Mal Urlaubsgefühle auf: klares Wasser, die Berge spiegeln sich darin, eine traumhafte Kulisse für einen Tourentag.
Kesselberg und Walchensee
Über die Kesselberg-Passstraße ging es hinauf zum Walchensee. Oben empfing die Teilnehmenden ein bayerisch-blau-weißes Alpenpanorama und ein spiegelglatter See. Die Fahrt am Ufer entlang bot immer neue Perspektiven. Am Südufer gab es den ersten größeren Stopp für Fotos und für die Erkundung des Seebodens: der See war über den Winter wegen Wartungsarbeiten tiefer als sonst abgelassen worden.

Über Sylvenstein und Achenpass
Weiter im Konvoi über frühlingshafte Wiesen, durch verschlafene Dörfer und mit vielen Kurven zum Sylvensteinspeicher. Das Stauwerk wurde als Hochwasserschutz für München gebaut und taugt nebenbei als malerische Fotokulisse.

Über den Achenpass ging es Richtung Tegernsee.
Auf den Wallberg
Ziel war die Wallbergbahn, die die 24-köpfige Gruppe auf 1.625 Meter ins Panoramarestaurant brachte. Die Überraschung war groß: wegen des guten Wetters hatte die Außenterrasse bereits geöffnet, und für die Gruppe waren Tische in bester Lage reserviert. Bestellt wurde, was die Karte hergab, von Kaiserschmarrn über Germknödel bis zu deftigen Speisen. An sehr schönen Tagen reicht der Blick über den Tegernsee hinweg bis München.

Nach einer ausgedehnten Pause, die für die unterschiedlichsten Unternehmungen auf dem Berg genutzt wurde, ging es über 2.140 Meter Seilbahn und 840 Höhenmeter zurück ins Tal.

Sport oder Genuss
Nach der Umrundung des Tegernsees und der Weiterfahrt zum Schliersee teilte sich die Gruppe.
Die Sportlichen fuhren am Schliersee vorbei zum Sudelfeldpass, wo es noch einmal reichlich Kurven und alpines Panorama gab. Als jemand entdeckte, dass in der Nähe ein Wasserfall liegt, wurden kurzerhand die Wanderschuhe ausgepackt. Im Flussbett entstand nebenbei der höchste und schönste Steinturm weit und breit.
Die Genießer fuhren mit einer weiteren Seilbahn zur Schliersberg Alm auf gemäßigten 1.000 Metern. Milde Temperaturen und der Blick über das ganze Tal verführten zu sommerlichen Getränken oder einem zweiten Kaiserschmarrn. Hinunter ging es wahlweise mit der Sommerrodelbahn oder der Seilbahn.
Der Abschluss fand wieder am Schnellladepark Sindelsdorf statt. Nachdem die Autos geladen waren, gab es im Hotel ein gemeinsames Abendessen, bei dem alle Eindrücke noch einmal ausgetauscht wurden. Ein rundum gelungenes Wochenende, voller Eindrücke, ohne Sorgen, eine Flucht aus dem Alltag.
Wir danken allen Unterstützern der Tour, vor allem aber allen Teilnehmenden, die an jeder Station so begeistert dabei waren.
Bilder
Vom Tag.
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