Ein Kommentar von Lars Hendrichs, Vorstand des TFF e.V., aufgenommen am Morgen nach der Vorstellung.
Ist es ein Flugzeug? Ist es ein Raumschiff? Nein, es ist ein Tesla Roadster. Unglaublich, was Tesla uns in der Nacht von Donnerstag auf Freitag präsentiert hat: ein Auto, das an der Decke fahren kann, einen Überschlag über mehrere andere Fahrzeuge macht und aus dem Stand in die Luft geht.
Ich denke, da dürften bei einigen Herren in den Vorstandsetagen anderer Sportwagenhersteller die Köpfe rauchen. Ist das überhaupt noch ein Hypercar, oder braucht man dafür schon eine eigene Kategorie?
Was in Texas zu sehen war
Die Vorstellung lief am 15. Oktober um 19:55 Uhr Ortszeit, bei uns war es kurz vor drei Uhr morgens. Tesla zeigte den Wagen im Freien auf dem Raketentestgelände von SpaceX in McGregor, Texas, nahe Waco, als Livestream. Durch den Abend führten Franz von Holzhausen, Teslas Chefdesigner, und Lars Moravy, der Leiter der Fahrzeugentwicklung, dazu Elon Musk. Ursprünglich war der 1. Oktober angesetzt, der Termin fiel dem Wetter zum Opfer.
Die Aufzeichnung stellt Tesla auf seinem YouTube-Kanal bereit, 23 Minuten, Originalton Englisch.

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Der Roadster fuhr eine senkrechte Rampe hinauf, blieb kopfüber an ihr hängen, kam wieder herunter, drehte sich in der Luft und landete. Auf der Bühne hieß es danach: „Well, it worked.“ und „Flying cars are real.“1 Später sprang er über eine Reihe von Teslas, einen Semi eingeschlossen, mit einem Überschlag in der Luft. Tesla nennt das Kickflip. Möglich machen das ein Lüftersystem, das die Luft unter dem Wagen absaugt, und Kaltgastriebwerke mit Technik von SpaceX. Der Unterdruck bringt bis zu 2 g Abtrieb, genug, um das Auto laut Tesla auch im Stillstand kopfüber zu halten. Zur Einordnung: Reifen allein geben etwa 1,26 g her, sagt Tesla im Video.2 Ein schneller Straßensportwagen schafft in der Kurve 1,2 bis 1,3 g, ein Formel-1-Auto bis zu 5 g.

Die Triebwerke: Hauptdüsen im Heck, kleinere zur Lagekontrolle rundum. Zwei Drucktanks aus Karbon fassen zusammen 600 Liter und rund 250 Kilogramm Luft, zehn Düsen verteilen sie. Der Schub liegt nach Angabe im Video bei über 80 Kilonewton, der Luftstrahl ist schneller als der Schall. Der Wagen füllt die Tanks selbst wieder auf, einen Treibstoff braucht er nicht.3
Als das Auto aufgemacht wurde und dort Personen ausstiegen, hätte man aufgrund der Show eher jemanden wie Michael Knight, Colt Seavers, Marty McFly oder Doc Brown erwartet und nicht einfach zwei Mitarbeiter. Das wäre noch ein kleiner Witz gewesen. Es waren Andy und Lamar aus dem Entwicklungsteam. Im anderen Wagen saß, so sah es für mich aus, ein Optimus. Im Video klärt Elon das auf: Es war Starman, die Puppe im Raumanzug, die 2018 im ersten Roadster ins All flog. „Just to be clear, that is not a real human.“4 Trotzdem: Wahnsinn.
Drei Versionen, eine davon fliegt
Tesla nennt auf der deutschen Roadster-Seite drei Ausführungen. Hier wörtlich, Stand 16. Oktober 2026:
- Performance, „Nach Reservierung“: „Straßentauglich mit zwei Sitzplätzen. Verfügt über aktive Aerodynamikelemente und ein Multi-Modus-Saugsystem, das den Abtrieb für Leistung auf ganz neuem Niveau maximiert — auf und abseits der Rennstrecke.“
- Thrust, „Limitierte Auflage“: „Rennbereit mit zwei Sitzplätzen. Verfügt über ein Multimodus-Saugsystem in Kombination mit Kaltgastriebwerken im Heck des Fahrzeugs, die den Roadster in unter 1 Sekunde von 0–100 beschleunigen.“
- Rocket, „Nur auf Einladung“: „Flugtauglich mit einem Sitzplatz. Verfügt über ein Multi-Mode-Saugsystem kombiniert mit am Umfang des Fahrzeugs positionierten Kaltgastriebwerken, die die Beschleunigung nach vorn und oben sowie seitliche Drehbewegungen unterstützen. Also ja, er kann fliegen.“ Darunter: „Hinweis: Nicht für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen.“
Die Fußnote zur Rocket lautet: „Die Rocket-Version ist möglicherweise nicht in allen Regionen verfügbar.“ Und ganz unten auf der Seite: „Die Verfügbarkeit unterliegt den gesetzlichen Anforderungen und geltenden Gesetzen der jeweiligen Region.“ Beides passt zu dem, was ich gleich zur Zulassung sage.
Reserviert wird über eine eigene Seite, auf der man die Ausführung auswählt. Fällig sind sofort 5.000 Euro, laut Tesla vollständig rückerstattbar, und innerhalb von zehn Tagen der Rest: 45.000 Euro beim Performance, zusammen also 50.000 Euro, und 245.000 Euro beim Thrust, zusammen 250.000 Euro. Der Thrust ist auf eine Bestellung pro Kunde beschränkt, die Rocket lässt sich dort nicht auswählen. Einen Kaufpreis nennt Tesla nicht. 2017 war von 200.000 Dollar Grundpreis die Rede, die Reservierung kostete damals 50.000 Dollar.

Was am Ende auf der Straße legal ist, wird sich zeigen. Die Rocket wird es nur auf Einladung geben und sie ist nicht straßenzugelassen. Aber auch beim Thrust ist offen, ob er auf deutschen oder europäischen Straßen erlaubt sein wird. Elon selbst sagte im Video: „I'm not sure it's necessarily legal in all jurisdictions.“5 Eine Anfrage, die ich bei jemandem im Verkehrsministerium losgelassen habe, konnte noch nicht beantwortet werden: zu wenige Daten. Ich bin da vorsichtig.
Nachtrag vom Mittag: Mein Kontakt dort sieht auch nicht, dass die Kaltgastriebwerke in Europa eine Genehmigung bekommen. Betroffen wären Thrust und Rocket. Der Performance hat keine Triebwerke, für ihn gilt das nicht.

Innen: ein Bildschirm wie aus dem Rennspiel
Tesla hat auch Bilder vom Innenraum und vom Bildschirm veröffentlicht, und die sind fast so spannend wie die Show. Die Oberfläche ist komplett rot, dazu ein Röntgenbild des Wagens, in dem Antrieb und Batterie golden leuchten. Oben rechts zeigt die Uhr 21:03 Uhr am 15. Oktober, eine gute Stunde nach Beginn der Vorstellung. Das Menü „Dynamics“ listet, was sich am Auto verstellen lässt: die Beschleunigung in drei Stufen, das Fahrverhalten, Frontflügel und Heckflügel jeweils zwischen wenig Luftwiderstand und viel Abtrieb, die Höhe der Federung, eine Entlüftung in der Haube und ausfahrbare Leitbleche an den Flanken, wie man sie aus der Formel 1 kennt. Dazu der Track Mode, der laut Tesla das Auto absenkt und das Fahrwerk umstellt. Die zwei Flügelstellungen erklärt Tesla im Video: viel Abtrieb oder wenig Luftwiderstand, der Heckflügel verstellt sich auf der Strecke von selbst. Beim Model 3 stellt man an dieser Stelle die Lenkkraft ein, beim Roadster die Flügel.

Im Track Mode wird aus dem Bildschirm eine Rennwagen-Telemetrie. Bremse und Gas in Prozent, ein g-Messer bis 3,5 g, die Temperaturen von Batterie, Motor, Bremsen und Reifen, dazu Reifendruck, Streckenkarte mit Höhenprofil und Rundenzeiten samt Bestzeit. Zwei Anzeigen sind neu: „Brake Balance“ und „Aero Balance“, also die Verteilung von Bremskraft und Abtrieb zwischen Vorder- und Hinterachse. Stabilitäts- und Traktionskontrolle stehen auf dem Bild beide auf „Off“, lassen sich also abschalten. Und unten ein Balken „Thruster, 5.500 PSI“ mit dem Vermerk „Boost Ready“. Das ist der Druck in den Lufttanks der Triebwerke, rund 380 bar. Die Rundenzeiten auf dem Bild sind offenbar Vorführwerte.

Beim Laden zeigt das Röntgenbild, wo die Batterie sitzt: flach im Boden, über die ganze Länge zwischen den Achsen. Das Ladelimit wird wie gewohnt mit einem grünen Schieber gesetzt. Zahlen zur Kapazität oder zur Ladeleistung stehen auch hier nicht.

Lenkrad, Fahrwerk, Antrieb
Das Lenkrad ist ein Yoke ohne oberen Kranz, mit Mikrowildleder und zwei Tastenfeldern, laut Tesla eigens für Steer-by-Wire entworfen. Dahinter das Ultrawhite-Interieur, so nennt Tesla die weißen Sitze, mit rotem Roadster-Schriftzug, die Mittelkonsole in Karbon. Die Sitzposition ist fest, das spart Gewicht, schreibt Tesla. Eingestellt wird deshalb das Lenkrad, und zwar am Bildschirm, nicht mit Hebeln. Lenkung, Bremse und Gas laufen alle by wire, ohne mechanische Verbindung, wie die Lenkung im Cybertruck.

Auch das Fahrwerk hat Tesla fotografiert. Der Dämpfer mit der goldenen Feder sitzt nicht am Rad, sondern liegt quer im Rahmen und wird über Hebel angelenkt, wie bei Rennwagen. Daneben die Karbonstruktur und ein Reifen mit wenig Profil.

Vor Ort standen außerdem Ausstellungsstücke: eine Antriebseinheit aus Motor und Getriebe mit orangen Hochvoltleitungen, auf einem Sockel im roten Licht der Bühne.

Und ein offenes Batteriemodul. Darin Rundzellen in dichten Reihen, dazwischen die Kühlung. Welche Zellen das sind, welche Spannung das System hat und wie viel Energie hineinpasst, bleibt offen. Damit sind wir bei dem, was fehlt.

Was fehlt: Reichweite, Batterie, Ladezeit
Schade ist bei all dem Hype, dass die Reichweite anscheinend nicht die versprochenen 1.000 Kilometer erreichen wird, sondern weniger. 2017 hatte Tesla 620 Meilen genannt, dazu 1,9 Sekunden auf 60 Meilen und einen Grundpreis von 200.000 Dollar. Eine Zahl zur Reichweite steht heute auf keiner Tesla-Seite, weder auf der deutschen noch auf der amerikanischen. Electrek berichtet von über 300 Meilen, rund 480 Kilometern, und nennt für die drei Ausführungen 1,6, 0,9 und 0,59 Sekunden auf 60 Meilen.6 Keine Aussage dazu, ob das Fahrzeug 800-Volt-Technik hat, wie groß die Batterie ist und was die Ladezeiten angeht.
Was Tesla auf seiner Seite nennt: Magnesium, Titan und Karbonfaser in der Karosserie, verborgene Scheinwerfer, ein durchgehendes Rücklicht, die Lackierung „Ano White“ nach Vorbild von Schutzverfahren für Raketen und getönte Scheiben, die die Kupferbeschichtung der Visiere von Raumanzügen nachahmen. Tesla formuliert es so: „Wir haben den Roadster bereits in eine Rakete gesteckt. Jetzt stecken wir eine Rakete in den Roadster.“ Elon Musk sagte im Video, der Roadster werde langfristig „the only manually driven car that Tesla makes“.7

2028. Jetzt aber wirklich
Auf die Frage, wann das Auto zu den Kunden kommt, sagte Elon: „We entered production in 2028. Actually, for real.“8 Zur Einordnung: Vorgestellt wurde der Roadster im November 2017 mit Produktionsstart 2020. Daraus wurden 2021, 2022, 2023, 2024, 2025 und schließlich 2027 oder 2028. Weitere Demonstrationen sind angekündigt, Elon brachte dafür den Sprung über den Snake River Canyon ins Spiel, an dem Evel Knievel 1974 gescheitert war.9 An den Daten wird noch gefeilt. Elon hat die Marschrichtung gegeben, dass die schnellste Version Mach 0,5 erreichen soll, „maybe a little higher“, also rund 380 Meilen pro Stunde oder gut 600 km/h. Bei der Vorstellung hieß es: über 230 Meilen pro Stunde, rund 370 km/h. Da sind noch ein paar Schritte zu gehen. Auch die Beschleunigung soll noch unter die 0,81 Sekunden, das Serienauto werde besser.10 Was ja schon Wahnsinn ist.
Elon hatte den Roadster vor zwei Jahren so angekündigt: „not just the icing on the cake, it's the cherry on the icing on the cake“, in der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen im Oktober 2024.11 Das haben sie definitiv geliefert.

Wer sich ein bisschen amüsieren möchte, kann sich die Live-Reaktionen von YouTubern wie Strombock oder TeslaTobi ansehen. Sehr amüsant zu sehen, wie das Auto bei der Community ankam. Und ich bin mir sehr sicher, dass dieses Auto an diesem Wochenende auf Veranstaltungen wie dem e4 TESTIVAL und bei diversen Treffen der absolute Diskussionspunkt wird. Wir werden da noch viel drüber reden.
Der Beitrag stammt von Lars Hendrichs, Vorstand des TFF e.V. Die Angaben zu Versionen, Beträgen, Daten und Terminen sind am 16. Oktober 2026 mit den Quellen unten abgeglichen. Zitate stehen kursiv und im Original, die Belege mit Zeitangabe im Video unter dem Beitrag. Die Bilder stellt Tesla für die Berichterstattung bereit.
Quellen
- Tesla: Roadster, deutsche Seite, gelesen am 16. Oktober 2026. Die Zitate zu den drei Ausführungen, Fußnote und Hinweise, Materialien, Ano White, Scheiben.
- Tesla: Roadster reservieren, 16. Oktober 2026. Beträge, Fristen, Beschränkung auf eine Bestellung.
- Tesla: Roadster, US-Seite, 16. Oktober 2026. Yoke für Steer-by-Wire, Track Mode.
- Tesla auf YouTube: Roadster Event, Aufzeichnung der Vorstellung vom 15. Oktober 2026, 23 Minuten. Alle Zeitangaben in den Belegen.
- Electrek, 13. Oktober 2026: Tesla sets Roadster event for Thursday after nearly 9 years of delays. Termin, Verschiebung, die Versprechen von 2017.
- Electrek, 15. Oktober 2026: Tesla unveils Cyberfied new Roadster that can kickflip. Reichweite und Beschleunigungswerte je Ausführung.
- Engadget, 15. Oktober 2026: Tesla Roadster reveal live. Liveblog zur Vorstellung.
- Fortune, 23. Oktober 2024: Elon Musk says the Tesla Roadster is still delayed. Das Zitat „cherry on the icing on the cake“ aus der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen.
- motorsport-total.com, 5. März 2017: 5 g in Kurven. Vergleichswerte: Formel 1 bis 5 g, Straßensportwagen 1,2 bis 1,3 g.
Belege
-
Video, 8:11 und 15:18. ↩
-
Video, 9:58, 12:04 und 18:01. ↩
-
Video, 9:28 und 9:55. ↩
-
Electrek, 15. Oktober 2026, siehe Quellen. Auf den Tesla-Seiten stehen diese Zahlen nicht. ↩
-
Video, 18:42 und 20:28. ↩
-
Fortune, 23. Oktober 2024, siehe Quellen. ↩
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